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vom 6. Juni 2026 für die 24. Woche
 Das Quiz    Andere Zeiten erleben  •  Eine Frage, Frau Münker... •  Leserinnenbild  •  Lied der Woche  •  Der andere Ort    Rückspiegel
Liebe Leserin, lieber Leser,
es ging nur um ein Paket Kaffee. Die Kassiererin zog es durch die Kasse, der Mann legte seine Kreditkarte aufs Lesegerät und – nichts passierte. Auch die zweite Karte funktionierte nicht. »Haben wir im Moment öfter«, sagte die Kassiererin und rief: »Keine Kartenzahlung möglich!« Ein Raunen ging durch die Schlange und Bargeld wurde gezählt. Der Mann mit dem Kaffee hatte keines dabei. Als er sich zögerlich von dem sicher geglaubten Kaffee verabschiedete, sagte der Kunde hinter ihm zur Kassiererin: »Nehmen Sie den Kaffee mit auf meine Rechnung!« Er sagte es, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Es gab noch ein bisschen hin und her, bei dem die Kassiererin den beiden Kunden wie bei einem Tennismatch zuschaute. »Das kann ich nicht annehmen!« – »Ach, was!« – »Wirklich?« – »Das nächste Mal zahlst du!« – »Das ganze Büro wird es dir danken.«

Der Kaffee-Kunde hatte Glück, dass nicht ich hinter ihm stand. Nicht, weil ich selbst lediglich ein paar Münzen dabei hatte, sondern weil ich, wenn ich ehrlich bin, solche Momente oft verpasse. Nicht selten denke ich im Nachhinein: Ach, da hätte ich doch ...! Wie neulich in einer Bäckerei. Jemand hatte nicht genug Geld für ein Schoko-Croissant und bestellte seufzend eins ohne Schokolade. Ich habe es wahrgenommen. Aber der Augenblick war schneller als ich. Vielleicht fasziniert mich deshalb noch immer die Leichtigkeit des Kaffee-Gönners: Er hat das Momentum nicht verpasst!

Natürlich weiß ich, dass Teilen nicht nur eine Frage einzelner Gesten ist. Auch gesellschaftlich stellt sich die Frage, wer eigentlich was übernehmen kann und will. Aber an der Supermarktkasse stand an diesem Tag keine Theorie, kein urchristlicher Anspruch – »und sie teilten alles miteinander, was sie besaßen« (Apostelgeschichte 2,44) –, sondern ein Mensch, für den selbstverständlich war: »Meine Rechnung!«

Es ist die Solidarität des Augenblicks. Die kleine Gabe im richtigen Moment und im Rahmen meiner Möglichkeiten, über die ich nachdenke. Das können Euro und Cents sein, Zeit, eine Hand, ein Umweg, ein Eis bei sommerlichen Temperaturen … »Ich übernehme das!« Es wird nicht die Welt verändern, aber sicher den Moment des Gegenübers – und oft auch den eigenen. Vielleicht ist Teilen weniger eine Tugend als eine Kunst. Eine, die man üben muss. Manchmal gelingt sie. Manchmal verpassen wir den Moment. Und manchmal zeigt uns ein fremder Mensch an der Supermarktkasse, wie leicht sie eigentlich sein könnte.


Ihr
Oliver Spies                                               
Theologischer Vorstand
Andere Zeiten e.V.



DAS QUIZ

Am 12. Juni feiern vor allem Katholikinnen und Katholiken das Hochfest des »Heiligsten Herzens Jesu«. Im Mittelpunkt steht die Vorstellung von Gottes Nähe und liebevoller Zuwendung zum Menschen. Welche Erfahrung hat die Herz-Jesu-Verehrung besonders geprägt?

A) Die Visionen der französischen Ordensfrau Margareta Maria Alacoque im 17. Jahrhundert.
B) Die Entdeckung und Verehrung einer angeblichen Herz-Jesu-Reliquie im 12. Jahrhundert.
C) Die Verbreitung von Herz-Jesu-Bruderschaften durch katholische Seefahrer, die Jesus als Schutzpatron für gefährliche Überfahrten anriefen.

(Für die Auflösung ganz nach unten scrollen)
LESERINNENBILD DER WOCHE

»Sieger der Ritzen«

DANK AN JUTTA SPITZ
IM GESPRÄCH 

Eine Frage, Frau Münker ...
Die Reisezeit beginnt. Wie kann man Erinnerungen möglichst persönlich und kreativ festhalten, zum Beispiel in einem Reisetagebuch? Kommunikationsdesignerin Laura Münker gibt dazu Kurse an der Hamburger Volkshochschule und hat ein paar ihrer Ideen mit uns geteilt.

Warum ist es schön, ein Reisetagebuch zu führen?

Schon in der Vorbereitung kommt man ein bisschen in Urlaubsstimmung: Man sucht ein geeignetes Buch im handlichen Format aus. Bastelt dafür eine kleine Papptasche, die man innen in den Umschlag klebt. Dorthinein kann man Materialien legen, Papierschnipsel für Collagen zum Beispiel. Am Ende erzählt ein solches Tagebuch meine persönliche Urlaubsgeschichte. 

Was braucht es noch?

Vielleicht ein kleines Täschchen mit Stiften, in den Farben, die man benutzen möchte. Man kann sich vorher fragen: Wie kann meine Stimmung in Farben aussehen? Oder: Wie fühlt sich Leichtigkeit an? Und dann kommt vielleicht transparentes oder Seidenpapier mit in die Klapptasche. Ich habe zum Beispiel einmal für einen Griechenlandurlaub nur einen ultramarinblauen Stift eingepackt. Das machte viel her, das Weiß der Seiten zusammen mit dem Blau – die Farben Griechenlands. Eine Rolle Washi-Tape wäre gut, buntes Klebeband, das man immer wieder ablösen kann und mit dem man zum Beispiel Rahmen um Eintritts- oder Fahrkarten oder um getrocknete Blüten kleben kann. 

Wie gelingt der Anfang?

Am besten unbefangen wie ein Kind, einfach anfangen! So ein Reisetagebuch ist Ausdruck einer großen Freiheit, erst mal gestalte ich es ja nur für mich. Wie bei jedem anderen Tagebuch auch ist der kreative Prozess wichtiger als ein perfektes Ergebnis.

Und wenn man wenig Platz im Koffer hat – ist es nicht besser eine App zu benutzen?

Wenn ich meine Reisetagebücher anschaue, bin ich sofort wieder in der besonderen Urlaubsstimmung. Und wenn wir mit den Händen arbeiten, sind wir stärker mit unseren Gefühlen verbunden, als wenn wir Bilder in unserem WhatsApp-Status posten. Eine platzsparende Idee wäre, kleine Bücher mitzunehmen oder vor Ort zu kaufen, die man nach Hause schicken und später zu einem dickeren Buch zusammenfassen kann. Wenn man seine Erlebnisse teilen möchte, kann man Seiten aus dem Reisetagebuch fotografieren und sie zum Beispiel als Insta-Story teilen. So haben auch Freund:innen und Familie zuhause sofort etwas davon.
ANDERE ZEITEN ERLEBEN

Iris Macke und Florian Theuerkauff waren bei einem besonders spannenden Termin in Neumünster, um den Andruck für den Anderen Advent einzuläuten. Gemeinsam mit den Grafikerinnen warfen sie den letzten prüfenden Blick auf die Texte und Bilder. Danach kam das Go für den Andruck, und die ersten Kalenderblätter rauschten durch die Maschinen. Jedes Jahr ist dieser Moment etwas Besonderes: zu sehen, wie nach vielen Monaten Arbeit der Kalender seine Form annimmt. Wenn Sie Ihr Exemplar schon vorbestellen möchten, können Sie das hier tun.

»Mutausbruch, Zusammenfreude, Frustschutz« – so lautete das Motto des Jahrestages des Verbandes Evangelischer Kitas in Schleswig-Holstein (VEK) in Rendsburg. Eingeladen war auch Ulrike Berg, die zu diesen drei Worten, die aus unserem Anderen Advent 2025/26 stammen, einen Schreibworkshop für alle Gäste gestaltet hat. Danke an alle, die dabei waren, für diesen besonderen Nachmittag und für so viel Offenheit, Kreativität und Lust am gemeinsamen Denken!
 
In unserer Audio-Mut-Werkstatt können Sie mit kreativen Übungen neue Gedanken entdecken und Ihrem eigenen Mut auf die Spur kommen. Hier geht es zur aktuellen Folge.
 
DER ANDERE ORT

KAPELLE IN DEN WEINBERGEN RHEINHESSENS

VON CHRISTA

Reben, Hügel und weite Ausblicke prägen die Landschaft rund um Zornheim in Rheinhessen. Mitten darin liegt eine kleine Kapelle in den Weinbergen. Die markante Architektur aus Holz und Glas öffnet sich zur Landschaft und bietet Blicke bis zum Feldberg und zur Frankfurter Skyline. Die Kapelle ist frei zugänglich und lädt zu Ruhe, Begegnung und Entspannung ein. 

»Das Wandern durch die Natur finde ich toll: einfach laufen und irgendwann ankommen. Der Kraftort hilft mir immer wieder zurück in den Alltag.«

Welche Orte erfahren Sie als Glücksorte, Kraftquellen oder  Trostplätze? Welche Orte, an denen sich anderes ereignet, begegnen Ihnen auf Reisen oder im Alltag? Wir möchten in dieser Rubrik gern Ihre Orte veröffentlichen: Schicken Sie uns bitte ein Foto mit genauer Ortsangabe an newsletter@anderezeiten.de und schreiben Sie uns ein paar Zeilen dazu, was diesen Ort für Sie besonders macht.

RÜCKSPIEGEL

Sabine Henning fragte im letzten Newsletter, in welchen Momenten Sie Gottes Wirken in Ihrem Leben spüren. 

Erika berichtete daraufhin von Ihrem Pfingst-Erlebnis: 

In einer Zeit tiefer Verunsicherung und verloren gegangenem Vertrauen habe ich dieses Jahr über Pfingsten am »Schnupperpilgern« teilgenommen. Unterkunft war im Cursillo-Haus St. Jakobus in Oberdischingen. Mit der herzlichen Begrüßung durch Hospitalera Gerda in Verbindung mit dem wunderschönen Garten kam schon etwas Frieden ins Herz. Die Sonnenuntergänge im Garten waren jeden Abend ein Ereignis. Beim Pilgern zwischen Ulm und Biberach ergaben sich tiefgehende Gespräche. Nun habe ich Kraft, meinen Weg weiterzugehen.

Hermine schrieb uns: 

Eine kluge Ratgeberin sagte einmal zu mir: »Wenn dir das, was du tust, ein Lächeln ins Gesicht und ein Leuchten in die Augen zaubert, wenn dein Herz Freude daran hat, dann wirkt Gott in dir. Dann kannst du sicher sein, dass du auf seinem Weg gehst.« Und wenn es dann gelingt, bin ich mir sicher, nach Gottes Willen zu handeln. Mir ist die Sorge um unsere Schöpfung anvertraut worden. Das Wenige, das ich tun kann, tue ich aus ganzem Herzen; für den Rest ist er zuständig. Ich muss nicht mehr frustriert zusehen, wie vermeintlich alles den Bach hinuntergeht. Ich gehe mit Gottes Hilfe ins Handeln – das gibt mir Hoffnung.

Und Felix Schnellbacher hat eine Idee, was es mit dem besonderen Namensschild auf Sabine Hennings Gartenparty auf sich haben könnte: 

In der spanischsprachigen Welt können Eltern Ihren Sohn (und, wenn es ein Zweitname ist, sogar ihre Tochter) tatsächlich Jesus nennen. Es kann also durchaus sein, dass die Beschriftung kein Scherz war, sondern dass das Glas von einem Gast benutzt wurde, der – zum Beispiel – aus Kolumbien stammt. In Spanien selbst wäre es sogar möglich, dass dort eine Maria José einen Jose Maria heiratet und sie ihren Sohn Jesus nennen. Sie könnten ihre Tochter tatsächlich unbefleckte Empfängnis nennen, Immaculada Concepción. Solche Vornamen waren in der stramm katholischen Franco-Ära durchaus üblich. 
Wir hoffen, unser Newsletter die andere zeit hat Ihnen gefallen. In unserem Quiz ist A die korrekte Antwort. Margareta Maria Alacoque lebte im 17. Jahrhundert als Ordensfrau im Kloster von Paray-le-Monial. Sie berichtete von intensiven mystischen Visionen. Immer wieder erschien ihr das Herz Jesu, das Margareta als Zeichen einer tiefen Liebe Gottes deutete. Diese Vorstellungen wurden von ihrem geistlichen Umfeld aufgegriffen, theologisch weiterentwickelt und schließlich in der ganzen Kirche verbreitet. Im 18. Jahrhundert wurde das Herz-Jesu-Fest offiziell im Kirchenjahr verankert.

Falls Sie Ideen, Fotos oder Beiträge für einen der nächsten Newsletter beisteuern möchten, freuen wir uns darüber unter newsletter@anderezeiten.de.
Herzlich 
Ihr 

Andere Zeiten-Team
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Telefon: 040 / 47 11 27 27

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montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr, freitags von 9 bis 15 Uhr 

Herausgeber: Andere Zeiten e.V. - Initiativen zum Kirchenjahr 
Vertreten durch den Vorstand: Oliver Spies und Florian Theuerkauff 
Fischers Allee 18, 22763 Hamburg 
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Verantwortlich: Iris Macke